ArtikelSearcherM&A
LOI unterschrieben: Was Searcher jetzt nicht unterschätzen sollten
Der LOI ist unterschrieben. Bewertung, Struktur und die wichtigsten Eckpunkte stehen. Ab jetzt laufen DD, Finanzierung, Steuern und SPA parallel.
Der LOI ist unterschrieben. Bewertung, Struktur und die wichtigsten Eckpunkte stehen.
Ab jetzt laufen mehrere Themen gleichzeitig: DD, Finanzierung, Steuern und SPA. Und fast jedes größere Finding kann Auswirkungen auf mehr als einen dieser Bereiche haben.
Früh klären, was ein Finding auslöst
Ein einfaches Beispiel:
Im LOI basiert die Bewertung auf EUR 2 Mio. EBITDA.
In der DD stellt sich heraus, dass EUR 200.000 davon nicht nachhaltig sind.
Dann braucht es schnell eine klare Entscheidung.
- Bleibt das Multiple gleich und der Preis sinkt?
- Bleibt der Preis stehen?
- Wird ein Teil über Verkäuferdarlehen oder Earn-out abgefedert?
- Oder trägt der Case die Abweichung trotzdem?
Dasselbe gilt für Capex, Working Capital, Kundenkonzentration, Steuern oder wesentliche Vertragsrisiken.
Hilfreich ist deshalb, schon zu Beginn festzulegen, welche Findings Auswirkungen auf Preis, Struktur oder Finanzierung haben können.
Enterprise Value sauber in den Kaufpreis übersetzen
Viele Searcher-Deals starten mit einer einfachen Logik:
EUR 2 Mio. EBITDA × 5 = EUR 10 Mio. Enterprise Value.
Der tatsächliche Kaufpreis kann am Ende deutlich anders aussehen.
Cash, Debt, Working Capital, Gesellschafterdarlehen und andere debt-like items verschieben die Rechnung teilweise erheblich.
Die Kaufpreismechanik sollte deshalb früh sauber stehen.
Sonst sprechen Käufer und Verkäufer wochenlang über denselben Enterprise Value und merken erst kurz vor Signing, dass sie beim tatsächlichen Kaufpreis unterschiedlich rechnen.
Finanzierung immer wieder nachziehen
Das Finanzierungsmodell sollte sich mit dem Deal verändern.
Sinkt das nachhaltige EBITDA, steigt der Capex-Bedarf oder ändert sich die Verkäuferfinanzierung, sollte das direkt ins Modell zurück.
Debt, Equity und Return hängen daran.
So sieht man früh, ob die Struktur noch funktioniert und an welcher Stelle nachjustiert werden muss.
SPA früh anstoßen
Auch der Kaufvertrag sollte früh anlaufen.
Im LOI sehen viele Themen noch einfach aus. Im SPA werden sie konkret.
- Wie genau wird der Kaufpreis berechnet?
- Welche Garantien gibt der Verkäufer?
- Welche Risiken werden separat freigestellt?
- Wie sieht die Haftung aus?
- Wie funktioniert ein Verkäuferdarlehen?
- Wie lange bleibt der Verkäufer nach Closing noch an Bord?
Gerade diese Punkte brauchen regelmäßig mehr Abstimmung als erwartet.
Wer mit dem SPA erst nach Abschluss der DD startet, baut sich schnell unnötigen Zeitdruck in die Exklusivität.
Eine Liste für den ganzen Deal
Was sich in der Praxis bewährt:
Eine zentrale Open-Items-Liste.
Für jeden Punkt reichen im Grunde vier Angaben:
- Thema.
- Owner.
- Deadline.
- Auswirkung auf Preis, SPA, Finanzierung oder Closing.
Damit ist schnell sichtbar, was wirklich kritisch ist und was einfach abgearbeitet werden kann.
Nach dem LOI zählt Geschwindigkeit bei Entscheidungen
DD-Findings sind nur dann hilfreich, wenn daraus schnell eine klare Deal-Entscheidung entsteht.
- Hat das Thema Einfluss auf den Preis?
- Braucht es Schutz im SPA?
- Muss die Finanzierung angepasst werden?
- Ist es ein Closing-Thema?
Wer diese Fragen laufend beantwortet, hält den Prozess sauber.
Und reduziert das Risiko, dass kurz vor Signing mehrere offene Punkte gleichzeitig hochkommen.